Offener Brief zur Lehrersituation im Landkreis Nordhausen

Allgemein, Harztor, Ilfeld, Niedersachswerfen - 06.11.2020

An dieser Stelle wird ein offener Brief veröffentlicht, der die Lehrersituation in Thüringen und im besonderen im Landkreis Nordhausen, speziell an der Ilfelder Grundschule thematisiert. Er ist an das Thüringer Bildungsministerium adressiert. Der Verfasser des Briefes ist der Gemeinde Harztor bekannt, möchte aber nicht genannt werden.

 

Offener Brief an:

Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport

Werner-Seelenbinder-Str. 7

99096 Erfurt

 

Einen offenen Brief zu schreiben aus einer Situation heraus wo es augenscheinlich keinen anderen Weg gibt soll helfen nicht nur die Dinge die „schief laufen“ zu sehen, sondern auch die richtigen Instanzen zum Handeln zu veranlassen bzw. Wege zu finden die Dinge in die Hand zu nehmen. 

Handeln statt reden!!!

Ich schreibe den Brief in Vertretung der Eltern der Grundschule Ilfeld (LK Nordhausen).

Es gibt viele Möglichkeiten auf eine nicht haltbare Situation aufmerksam zu machen, nur trugen diese bisher keine Früchte. 

Der Lehrermangel im Landkreis Nordhausen betrifft JEDE Schule und ja, auch die Schulen in den benachbarten Bundesländern. Aber die Frage, die sich stellt: Was wird getan, um dem Lehrermangel entgegenzuwirken???

Die sogenannten Planstellen an den Schulen sind „Wunschvorstellungen“, dass die Lehrer, die an einer Schule tätig sind, auch anwesend sind. Leider entspricht das nicht der Realität. Lehrer in Elternzeit, Lehrer die langzeitkrank sind und fehlendes „neues“ Personal sind kein Einzelfall. 

Wir haben eine gesetzliche Pflicht unsere Kinder in die Schule zu bringen aber im selben Atemzug besteht nicht nur das Recht, sondern die Pflicht auf Bildung. Bildung heißt nicht Betreuung, sondern Wissensvermittlung, welche durch pädagogisches Lehrpersonal erbracht werden sollte. Nur wie sieht die Realität aus???

Es ist eine Farce, wenn bereits aus der Planung ersichtlich ist, dass die Anzahl der eingestellten Lehrer nicht ausreichen wird. Die erhöhten Zeitaufwände aufgrund Corona (Hygieneplan) muss ich an der Stelle nicht mal erwähnen.

Ein offenes Gespräch mit einem Herrn vom Schulamt Nordthüringen (dessen Name aus Datenschutzgründen nicht genannt werden kann) im Rahmen der Kreiselternsprecherwahl zeigte auf, dass es aufgrund fehlender Bewerber, schlicht und ergreifend nicht möglich ist Lehrer bzw. sogenannte „Quereinsteiger“ (mit geeigneten Qualifikationen), einzustellen.

Die Frage ist:

Warum finden Uniabsolventen nicht den Weg in den Schuldienst des Landes Thüringen?

Wird aktiv geworben?

Was wird getan, um die ausgeschriebenen Stellen attraktiv zu gestalten?

Ein paar Fragen sind einfach zu beantworten bzw. wurden vor Ort durch den Herrn vom Schulamt beantwortet:

„An der Uni in Erfurt gab es eine Werbeaktion“ und „das Schulamt verfügt über eine gute und engagierte Abteilung, welche sich Bewerbermanagement nennt.“ Da stellt sich mir die Frage: Wozu ein Management, wenn es doch keine Bewerber gibt?! 

Nur wie stellt sich das Land Thüringen vor auf Bewerber zuzugehen? 

Dazu gibt es leider keine zielführenden Vorschläge.

Da sind wir schon bei dem Punkt „Unattraktivität“ der ausgeschriebenen Stellen: Befristung!!! Die Erklärung warum Lehramtsstellen teilweise auf ein Jahr befristet ausgeschrieben sind, ist so logisch wie haarsträubend unlogisch. Die ausgeschriebenen Stellen dienen als „Ersatz“ für Lehrer in Elternzeit. Soweit die Theorie, nur gab es vor ein paar Jahren noch Stellen auf dem Überhang und JETZT … KEINE EINZIGE Stelle, die auf dem Überhang ist. Die Befürchtung man würde die eingestellten Lehrer nicht mehr „los“ ist an den Haaren herbeigezogen, zumal sie innerhalb des Landkreises die Schule wechseln und bei Bedarf einspringen können/könnten. Was derzeit NICHT möglich ist, weil es derzeit keine Stellen auf dem Überhang gibt! 

Auch der Punkt der Ausschreibung einer befristeten Stelle, wenn eine Lehrerin schwanger ist.

Nur leider wird die Stelle erst ausgeschrieben, wenn die Daten vorliegen, dass das Kind auf der Welt ist, zumindest ist das die Information die uns als Eltern gegeben wurde. Und es ist zu diesem Zeitpunkt mit Sicherheit zu spät. Warum ist eine Suche bei Bekanntgabe der Schwangerschaft nicht möglich?

Und wenn man den Blick ein paar Jahre in die Zukunft wandern lässt: die Lehrer, welche gerade kurz vor der Rente sind, sind die nächsten „Bedarfsstellen“. 

Bildung funktioniert nur, wenn es genug Lehrkräfte gibt und der Staat unseren Kindern das Recht auf Bildung nicht nur gesetzlich zusichert, sondern auch absichert.

Gerne gehe ich in den Austausch.

Wir, als Elternvertreter, wünschen uns, dass die Bürokratie nicht zu Lasten der Bildung geht.

Neue Wege gehen, wenn die bisher eingetretenen Pfade nicht die erzielte Wirkung zeigen.

Umdenken ist das Zauberwort!!!

 

Mit freundlichen Grüßen

Der Verfasser des Briefes ist der Gemeinde Harztor bekannt, möchte aber nicht genannt werden.

 

 

 


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