Wer aus Richtung Süden oder Osten mit dem Auto nach Niedersachswerfen reist, der sieht die weiße Abbauwand am Kohnstein schon von weitem. Die terrassenartige Steilwand ist heute eine weithin sichtbare Landmarke und wurde durch den Gipsabbau geformt. Die natürliche Steilstufe des Berges  hat die Menschen seit jeher beeindruckt. Das Kohnsteinmassiv besteht aus bis zu 400 Meter mächtigem Anhydrit, umgeben von einer Gipsschicht und oben abgeschlossen mit einer Dolomitschicht.

Bereits im 14. Jahrhundert soll es Kalkköstereien am Kohnstein gegeben haben. Ab 1870 entwickelte sich an dem Standort dann eine Gipsindustrie, die bis in die Gegenwart reicht. Mit der Synthese von Ammoniak erlangte der Industriestandort Niedersachswerfen im 20. Jahrhundert überregionale Bedeutung. Ab 1917 ließ hier die Badische Anilin & Soda-Fabrik (BASF) für das Ammoniakwerk Merseburg in großem Stil Sulfatgestein abbauen. Dann begann der erste Weltkrieg, Ammoniak wurde verstärkt nachgefragt, es wurde zur Herstellung von Sprengstoff benötigt. 1925 wurde das Werk am Kohnstein ein Tochterunternehmen der I.G. Farben.

Heute baut die Kohnstein Bergwerks GmbH an dem Berg noch Anhydrit ab. Der Großteil des gebrochenen Gesteins aus Niedersachswerfen wird heute für die Fließestrichproduktion genutzt.

 

Die dunkle Geschichte des weißen Berges

Bis 1935 wurden etwa 35 Millionen Tonnen Anhydrit gebrochen, teilweise  geschah das auch im Tagebau. Damit nahm die Geschichte der Entstehung eines umfangreichen, künstlichen Hohlraumsystems ihren Anfang und damit auch das dunkelste Kapitel der Kohnsteingeschichte.

Im Auftrag des Kriegswirtschaftsamtes  entstand unter der Naziherrschaft im Kohnstein ein gewaltiges Tunnel- und Stollensystem mit einer Länge von 1800 Metern. Die unterirdischen, bombensicheren Räume sollten zur strategischen Lagerung von Rohstoffreserven wie Öl und Treibstoff dienen. 1937 wurde zwar der erste Teilabschnitt in Betrieb genommen, ganz fertiggestellt wurde das Wehrmacht-Treibstofflager jedoch nie. Nachdem dem es nach Kriegsbeginn regelmäßig Luftangriffe auf die Raketenfertigung in Peenemünde gab, entschied das nationalsozialistische Regime, die V-Waffen-Produktion untertage zu verlegen. Auf der Suche danach fiel die Wahl auf Niedersachswerfen.

Hitlers Befehl, den Kohnstein als „Geheimprojekt Mittelbau“ zur V-Waffen-Fabrik umzurüsten, wurde  konsequent umgesetzt. Im August  1943 wurde deshalb im Kohnstein so schnell wie möglich ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald eingerichtet. Es erhielt den Namen  Dora. Tag und Nacht mussten hier Häftlinge unter menschenunwürdigen Bedingungen für die Kriegswaffenproduktion schuften. Viele Häftlinge starben schon nach wenigen Wochen; von insgesamt 60 000 Menschen, die hier am Konstein inhaftiert waren, verloren 20 000 ihr Leben.

Die Gedenkstätte Mittelbau-Dora erinnert an diese grauenvolle Zeit. Neben einer Dauerausstellung gibt es auch Führungen im Lagergelände und in den Stollenanlagen.

Nähere Details zur KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora: www.dora.de

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